Medflight: German Medflight: Englisch / US Medflight: France Medflight: NL

Aktuelles

Informationen, Wissenswertes und Aktuelles


Bei Wind und Wetter am Ambulanzflughimmel

Veröffentlicht 02.02.2017





























 
Wechselhaftes Wetter und herausfordernde Situationen während des Fluges: Kapitän Alex Moog und
First Officer  Isabel Helmrath erzählen im Interview aus ihrem Alltag im Cockpit.

Seit wann arbeitet Ihr bei der Air Alliance und wo werdet Ihr eingesetzt?
 
AM: Ich arbeite seit 6 Jahren für die Air Alliance und werde ausschließlich als Kapitän im weltweiten Ambulanzflug eingesetzt.
 
IH: Seit 4 Jahren fliege ich für die Air Alliance als First Officer. Hauptsächlich werde ich auf weltweiten Ambulanzflügen eingesetzt.
 
Ihr seid weltweit unterwegs. Wie plant man Wind und Wetter im Voraus?
 
AM: Wir treffen uns vor einem Flugtag am Flughafen und informieren uns auf unserer Briefingseite im Internet über den bevorstehenden Tag. Hier bekommen wir alle Informationen über Flugroute, Treibstoffverbrauch, Wetterlage und jegliche Informationen über Besonderheiten an Flugplätzen oder in Lufträumen, die wir überfliegen.
 
IH: Bei weltweiten Flügen können sich zum Beispiel regionale Besonderheiten wie Regenzeiten, Monsun etc. ergeben, und auch auf einzelnen Flughäfen gibt es spezielle Witterungen, wie die Scherwinde auf Madeira oder Aschewolken auf Island oder Wirbelstürme.
 
Wie informiert Ihr Euch in der Luft über die aktuelle Wetterlage?
 
IH: Aktuelle Wetterinformationen sind in der Luft über den Funk, verschiedene Nav-Aids, über das Garmin oder das Sat-Phone abrufbar. Am Boden bereitet das Handling Wetterinformationen für den Flug vor. Weltweit funktioniert das ziemlich gut; schwierig ist es nur in sehr abgelegenen Regionen, wie beispielsweise auf kleineren Flugplätzen in  Afrika.
 
Was sind die größten Wetter-Herausforderungen beim Fliegen?
 
AM: Die größten Wetter-Herausforderungen sind für mich Gewitter, starker Wind, Wirbelstürme oder Vereisung der Landebahn. Bis zu einem gewissen Grad lassen sich solche Phänomene leicht abschätzen und vorhersehen. Ist dies nicht möglich, hält man sich immer einen Plan B bereit: Genügend Treibstoff und sichere Ausweichflugplätze. Trotzdem gibt es auch Wettersituationen, die einfach nicht fliegbar sind und denen ich mich nicht nähern würde. Da bleibt nur Abwarten, Umfliegen oder gar nicht erst starten.
 
Wie stellt Ihr sicher, dass ihr z.B. bei einem Gewitter noch genügend Sprit im Tank habt?
 
AM: Durch unsere Unterlagen haben wir eine sehr genaue Einschätzung des benötigten Treibstoffes. Diese Berechnung wird anhand von aktuellen Wind – Wettermodellen, Flughöhe und Flugroute durch ein Planungssystem genau erstellt. Dazu kommen gesetzlich vorgeschriebene Zuschläge für Mehrverbrauch bei einem Ausweichflugplatz und eventuelles Holding (Warten in der Luft).
Zusätzlich können von den Piloten noch Zuschläge für schlechtes Wetter oder andere Unwägbarkeiten hinzugefügt werden.
 
Wo fliegt Ihr besonders gerne hin?
 
AM: Besondere Ziele gibt es für mich nicht, die ich jetzt adhoc benennen könnte. Weltweit gibt es tolle Flugplätze, die immer wieder schön anzufliegen sind. Sei es die Umgebung, besondere Leute und Kulturen vor Ort oder aber einfach nur das bessere Wetter woanders, wenn es zu Hause regnet. Ich mag gerade hier im Unternehmen die abwechslungsreichen Destinationen und Herausforderungen.
 
 
Gibt es Patienten mit Flugangst und was macht Ihr in so einem Fall?
 
AM: Ja, die gibt es. Manchmal haben die Patienten selbst Flugangst, manchmal die Begleitpersonen. Meistens hilft es gut, wenn wir als Piloten mit den jeweiligen Fluggästen sprechen und ihnen erklären, was sie auf dem Flug erwartet. So bekommen sie einen Eindruck von der Crew im Cockpit, die sie sicher ans Ziel bringt. Bei Begleitpersonen bemerken wir immer wieder, wie rasch ihre Angst verfliegt: Sobald sie den Kopf ins Cockpit stecken und wir ihnen zeigen, wie redundant und sicher alles ist, entwickeln sie ganz schnell Vertrauen.
 
 
Ist Euch ein Flug in besonderer Erinnerung geblieben?
 
AM: Da gibt es viele! Zum Beispiel, als wir bei starkem Wind in Island gelandet sind und beim Aussteigen und Verladen des Patienten zusammen mit der Flughafenfeuerwehr auf vereistem Boden sprichwörtlich weggeblasen wurden. In Algerien mussten wir einmal einen Sandsturm abwarten, weil dieser nach der Landung so an Intensität zugenommen hat, dass man die Rollbahn nicht mehr sehen konnte.
 
IH: Als kleine Anekdote fällt mir ein, dass wir einen Flug von Lagos über den Chad nach Mumbai durchgeführt haben. In Mumbai war Monsun-Wetter. Die Piste war wirklich nass und als wir gelandet waren, ging der Regen erst richtig los. Wir konnten keinen Rollweg mehr erkennen und mussten sehr langsam einem Marshaller im Follow-Me-Car hinterherfahren. Innerhalb kürzester Zeit stand das Wasser auch  auf den Straßen. Wir waren durch das Ausladen des Flugzeugs alle komplett durchnässt und mussten uns im Hotel erstmal trocknen. Als Siegerländerin bin ich Regen eigentlich gewohnt, aber in dieser Intensität hab ich ihn noch nicht erlebt.